KI-Projekte priorisieren: So bringen inhabergeführte Unternehmen Ordnung in ihre KI-Vorhaben

Von Igor Wewers, edge//runner, Düsseldorf

Kurz gesagt

Sammeln Sie jedes KI-Vorhaben auf einer Seite und notieren Sie zu jedem, was es bringt, was es braucht und wovon es abhängt. Suchen Sie dann, welche Grundlagen mehrere Vorhaben teilen, und legen Sie danach die Reihenfolge fest. Bringen Sie ein Vorhaben in den Einsatz, bevor das nächste beginnt.

Warum sich KI-Vorhaben stauen

In vielen inhabergeführten Unternehmen hat die KI längst angefangen. Mitarbeitende probieren etwas aus, jemand hat einen Chatbot gebaut, ein Prototyp liegt halb fertig herum, und im Kopf des Inhabers steht eine Liste, die niemand sonst kennt. Jedes Vorhaben für sich ist vernünftig. Zusammen entsteht ein Stau, weil niemand sieht, welches zuerst kommen sollte und welche gemeinsame Arbeit sich teilen lässt.

Die Methode unten ist die, mit der ich bei edge//runner arbeite. Sie braucht kein Werkzeug außer einer Seite Papier oder einer Tabelle.

Die Methode in fünf Schritten

  1. Schritt 1: Alles sammeln

    Schreiben Sie jedes Vorhaben auf, auch angefangene, vergessene und unausgegorene. Ein Vorhaben pro Zettel, ein Satz pro Zettel. Fragen Sie auch die, die tatsächlich damit arbeiten. Der Inhaber kennt selten alle.

  2. Schritt 2: Zu jedem drei Dinge notieren

    Was es bringt: eingesparte Stunden, schnellere Antworten, eine erfüllte Pflicht. In Ihren eigenen Worten und, wo Sie es wissen, in Ihren eigenen Zahlen.

    Was es braucht: Daten, Zugänge, Menschen, Software, Zeit.

    Wovon es abhängt: von einem anderen Vorhaben, von einem Termin, von einer einzelnen Person.

  3. Schritt 3: Gemeinsame Grundlagen finden

    Legen Sie die Zettel nebeneinander und suchen Sie, was mehrfach vorkommt. Wenn drei Vorhaben dieselben Kundendaten brauchen, ist das Aufräumen dieser Daten kein viertes Vorhaben, sondern die Grundlage der drei.

  4. Schritt 4: Die Reihenfolge festlegen

    Zuerst kommt, was einen festen Termin hat. Dann, was fast fertig ist. Dann die Grundlage, auf der mehrere andere stehen. Was von nichts abhängt und wenig bringt, wartet. Schreiben Sie zu jedem Platz einen Satz Begründung.

  5. Schritt 5: Eines nach dem anderen fertigstellen

    Fertig heißt: im Einsatz, mit einem Namen, der dafür zuständig ist. Erst danach beginnt das nächste. Das wirkt langsamer als alles gleichzeitig, aber es endet mit etwas, das jemand benutzt. Wie schnell es geht, hängt von der Größe der Vorhaben ab, nicht von einem festen Takt.

Das Beispiel: sechs erfundene Vorhaben

Hier sechs Vorhaben, wie sie in vielen Firmen auf dem Tisch liegen, durch die Methode geführt. Die Firma und alle Angaben sind ausgedacht, sie zeigen nur, wie die Überlegung läuft.

ZettelBringtBrauchtHängt ab von
Anrufe am MorgenWeniger verpasste Anrufe vor ArbeitsbeginnSprachassistent, Regeln für Rückruf und WeiterleitungKundenstamm und Terminkalender an einem Ort
Angebote, die wartenSchnellere AngeboteVorlagen, Preislisten, Freigabe durch den InhaberKundenstamm und Preise an einem Ort
E-Rechnung ab JanuarEine gesetzliche Pflicht ist erfülltRechnungssoftware, die das Format kann, ein Weg für eingehende RechnungenEinem festen Termin
Wissen der AltgedientenErfahrung bleibt im Haus, wenn jemand gehtGespräche, Aufschreiben, ein Ort zum WiederfindenDer Zeit der Betroffenen
Ein Chatbot, den keiner nutztHeute nichtsDie Entscheidung, ob er weiterlebtEiner gepflegten Wissensgrundlage
Prototyp bei 60 ProzentFast fertig, Aufwand bis zum Einsatz überschaubarEine Liste dessen, was fehltEiner Person, die ihn zu Ende bringt

Was die Zettel teilen

  • Zwei Zettel (Anrufe, Angebote) brauchen saubere Kunden- und Preisdaten an einem Ort. Das ist die erste gemeinsame Grundlage.
  • Zwei Zettel (Wissen der Altgedienten, der Chatbot) brauchen eine gepflegte Wissensgrundlage. Der Chatbot ist vermutlich nicht an der Technik gescheitert, sondern daran, dass nichts Verlässliches drinsteht.

Die Reihenfolge und warum

  1. Schritt 1: E-Rechnung

    Sie hat einen festen Termin. Welcher Termin für Ihr Unternehmen gilt, steht im Artikel E-Rechnung ab 2027.

  2. Schritt 2: Prototyp bei 60 Prozent

    Er ist fast fertig. Ein schneller Abschluss zeigt, dass das Verfahren funktioniert.

  3. Schritt 3: Angebote, die warten

    Dabei entsteht die Grundlage aus Kunden- und Preisdaten, auf der später die Anrufe aufbauen.

  4. Schritt 4: Anrufe am Morgen

    Setzt die Daten aus Schritt 3 voraus. Ein Sprachassistent muss sich zu Beginn als KI zu erkennen geben, mehr dazu in KI-Verordnung: Pflichten.

  5. Schritt 5: Wissen der Altgedienten

    Dauert am längsten und lebt von den Menschen. Es beginnt früh im Gespräch, auch wenn die Umsetzung später kommt.

  6. Schritt 6: Der Chatbot

    Erst wenn die Wissensgrundlage steht, lohnt die Entscheidung, ob er weiterlebt oder abgeschaltet wird.

Ihre Reihenfolge wird anders aussehen, weil Ihre Zettel andere sind.

Checkliste

  • Steht jedes Vorhaben auf genau einem Zettel, auch die angefangenen?
  • Steht zu jedem, was es bringt, was es braucht und wovon es abhängt?
  • Haben Sie nachgesehen, welche Grundlagen mehrere Zettel teilen?
  • Hat jeder Zettel mit festem Termin seinen Platz ganz vorn?
  • Steht zu jedem Platz in der Reihenfolge ein Satz Begründung?
  • Hat das erste Vorhaben einen Namen, der dafür zuständig ist?
  • Ist festgelegt, woran Sie erkennen, dass es fertig ist?

Wenn Sie das mit Ihren eigenen Vorhaben durchgehen möchten: Ich spreche eine Stunde mit Ihnen und lege danach die Übersicht an. Der Audit ist kostenlos, und die Übersicht gehört Ihnen, auch wenn wir nicht weiter zusammenarbeiten.

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Quellen